Presse

04.01.2015

Christmette 2014

Engel haben Himmelslieder
Der Frauenchor „La bella musica“ Bröl (Chorverband Rhein-Sieg) wurde buchstäblich bis zum letzten Augenblick des gelungenen 60-jährigen Jubiläums gefordert. So gestalteten die mehr als zwei Dutzend Sängerinnen unter der engagierten Chorleiterin Angela Billerbeck-Ries musikalisch die Christmette in der Bröler Kirche St. Mariä Himmelfahrt, da man als Frauenchor schon seit Jahren auch als Kirchenchor fungiert. Die Sängerinnen kommen dieser liturgisch geprägten Aufgabe wirklich engagiert und inspiriert nach und haben dabei ihre innere Freude an diesem gefühlsbetonten Auftritt, den viele frohgestimmte Besucher erlebten. Pfarrvikar Alexander Lubomierski weihte die Krippe unter der Orgelempore ein und fand dazu die Worte, dass Gott wolle, dass wir alle leben. Besonders treffe das auf die Kinder zu, die unsere besondere Liebe und Zuwendung brauchen würden. In seiner Predigt vertiefte er das Krippenspiel, das auf köstliche Weise die Charaktere der biblischen Weihnachtsgeschichte vor der Christmette in theologisch ansprechender Form herausgearbeitet in den stimmungsreichen Focus gerückt habe.
Zuvor hatte Organist Torsten Büth auf der Orgel in dezenter und sinnfälliger Manier Krippen- und Hirtenlieder intoniert, während das Glockengeläut zu Geburt des Herrn rief. Unter den Krippenliedern befand sich auch das bekannte Schemelli-Lied und von Joh. S. Bach vertonte „Ich steh an deiner Krippen hier“. Dieses vertraute Weihnachtslied wurde während der Christmette auch von der Gemeinde gesungen. Die Lektorin zitierte in der Lesung die Worte des Propheten Jesaja, nach denen dem Volk, das im Finsteren wandelt, ein grosses Licht erblicken würde. Der barocke Komponist Georg Friedrich Händel hat diese biblischen Worte in einer wunderschönen Baßarie des Messias-Oratoriums apostrophiert. Der Frauenchor, von Angela Billerbeck-Ries mit ausdrucksvollen Gesten über alle stimmlichen Hürden geführt, hingegen beschwor den glaubensfrohen Geist der Christnacht mit ausgesuchten a-cappella-Chören.
Selbst Goethe alles musikalische Gebaren auf die Losung gebracht, dass von Herzen kommen müsse, was auf Herzen wirken solle. Diese Maxime war in der französischen Weise „Engel haben Himmelslieder auf den Feldern angestimmt“ (deutsche Chorfassung von Karl Haus), „Tollite hostias“ (Singt dem Herrn ein Lied) von Camille Saint-Saens (zu dem Otto Groll ebenfalls eine deutsche Chorbearbeitung geschrieben hat), „Es ist ein Ros entsprungen“ von Michael Praetorius und dem besinnlichen „Andachtsjodler“ zu spüren, der schon im Jahre 1830 zur Christmette in Sterzing (Südtirol) intoniert wurde. Einen beseelten Kontrapunkt zu den von „La bella musica“ mit ausgeprägtem Stimm- und Stilgefühl interpretierten Chorliedern setzte die berührende Weise „Selige Weihnachtszeit“, zu der Robert Pappert den Satz und den Text geschrieben hat. Mehrere Sängerinnen vertieften sich mit auffälliger Hingabe unter Leitung von Angela Billerbeck-Ries in den stimmfeinen Liedsatz.
Walter Dohr